Dienstag, 10. April 2018

Nachruf Paul Kochka-Thévènet

Paul Kochka-Thévènet am 20. Februar gestorben

Paul Thévènet hat sich schon frühzeitig den Künstlernamen "Kochka" (die Katze) gegeben. Der Spitzname passte für einen Menschen, für den sich alles im Leben um Kunst drehte. Am 20. Februar ist der von Kollegen im Kesselhaus, von Kunstfreunden und Kursbesuchern menschlich wie künstlerisch hoch geschätzte Franzose in einem Pflegeheim in Niedergebisbach (Hotzenwald) im Alter von 87 Jahren gestorben.

Er wohnte lange in Lörrach und ist einer der ersten Generation der Künstler im Kesselhaus, die 1995 ihr Atelier bezogen haben. Im rückwärtigen Flurbereich fand  der Besucher sein Atelier. Kohle- und Bleistiftzeichnungen weisen den Weg zum einzigen Franzosen der Ateliergruppe. Paul Kochka-Thévénet hat bei einer Ausstellung in der städtischen Galerie Stapflehus anlässlich seines 80. Geburtstag die Zuneigung seiner Kollegen im Kesselhaus erfahren dürfen, die ein Porträt des welterfahrenen Bildhauers und Zeichners aus Lyon für ihn konzipierten. Porträts, Akte, Katzenmotive, subtilen Studien, Zeichnungen und Terrakottafiguren: ein Ausschnitt seines Lebenswerks. Sein Studio schien einem Skizzenbuch aus der Zeit Rodins entlehnt worden zu sein. Tatsächlich atmen die naturalistischen Porträts und Aktzeichnungen, die Detailbeschreibungen von Räumen und Objekten den Sinn und das Verständnis für seelische Impulse. Bis ins hohe Alter gab  der Künstler noch Kurse in Volkshochschulen zwischen Weil und Waldshut, unermüdlich war er bei der Arbeit an etruskisch inspirierten Keramikobjekten oder Skizzen zu sehen. Als künstlerisches Faktotum wirkte er auch lange Jahre beim Weiler Museumskreis mit, wo ihm die Visualisierung abstrakter Themen mit außerordentlicher Subtilität in großformatigen Bildern gelang.

Sein Metier hat er von der Pike auf gelernt an der Akademie des Beaux Arts seiner Heimatstadt Lyon. Die figürliche Bildhauerei, das Aktzeichnen, das Porträtzeichnen, das fundierte Studium der menschlichen Proportionen, der Anatomie, das sind Dinge, auf denen seine Arbeiten basieren. Die Figur, der Akt, das Porträt sind bis heute seine großen Themen geblieben. "Aber ich arbeite jetzt mehr mit ganz einfachen Linien" sagte der über 80jährige.

Zahllose Zeichnungen, Aquarelle und Pastelle sind in den mehr als 65  Jahren seines Schaffens entstanden. Sein Lebensweg führte ihn in jungen Jahren nach Paris und Brüssel, wo er namhaften Künstlern, wie André Malraux und Henry Miller begegnete. Von einem russischen Immigranten in Brüssel erhielt Paul Thévenet den Beinamen «Kochka» -die Katze, den er bis zu seinem Tod beibehalten hatte. Während seiner Zeit in Deutschland (nach 1964) spezialisierte er sich zunächst besonders auf seine berühmten Zeichnungen und seit 1988 mehr und mehr auf Skulpturen und Plastiken.

Arbeiten von Paul Kochka-Thèvénet waren immer wieder im Kulturcafé des Kesselhauses zu sehen. Vor zwei Jahren wurde ihm anlässlich seines 85. Geburtstages von seinen Künstlerkollegen im Kesselhaus eine Sonderausstellung im Atelier von Kathrin Stalder organisiert. Im Jahr 2010 widmete ihm das Kulturamt im Stapflehus eine Sonderausstellung zu seinem 80. Geburtstag.

Beim ART-Dorf Ötlingen beteiligte er sich mit einer Terracotta-Plastik,  der er den Namen "La Pisseuse" gab. Die Plastik überließ er der Stadt Weil am Rhein für die Dauer-Ausstellung im ART-Dorf. Sie steht im Garten des Hauses Dorfstraße 87.  

Paul Kochka-Thévènet wurde gerade im hohen Alter von Menschen unterstützt, die seine liebenswerte Ausstrahlung, seinen französischen Charme, sein künstlerisch authentisches Wirken und gleichermaßen ungekünsteltes menschliches Engagement für gemeinsame Projekte schätzen und lieben gelernt hatten. Ein Ehepaar hat ihn in seinem letzten Lebensjahr auf dem Hotzenwald auf rührende Weise begleitet. Auch viele Schüler, Kollegen und  Freunde werden die Begegnungen , Gespräche und Erlebnisse mit dem Mann mit der Latzhose und dem freundlichen Lächeln  schmerzlich vermissen.

Kulturzentrum Kesselhaus e.V.
Am Kesselhaus 13
D 79576 Weil am Rhein

 

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